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Wörterbuch der russischen Revolution

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>> National-Sozialrevolutionäre
>> Oktobristen
>> Progressiver Block
>> Provisorische Regierung
>> Sozialrevolutionäre
>> Trudowiki
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Dorfgemeinschaft

In weiten Teilen Russlands existierte zur Zeit der Revolution eine besondere Form der ländlich-bäuerlichenen Gesellschaft. Diese zeigt sich im gemeinsamen, kollektiven Landbesitz (Obtschina) und dessen regelmäßiger Neuverteilung zur landwirtschaftlichen Nutzung. Bei einer Neuverteilung wird die Anzahl der Esser oder Arbeitskräfte pro Hof sowie die Bodenqualität berücksichtigt. Die Gemeinde (Mir) beschließt in den Dorfversammlungen über die Bodenverteilung und auch über alle anderen öffentlichen Angelegenheiten. Der russische Staat versuchte seit 1906 verstärkt, die Bauern zu einer Auflösung der Gemeinden zu bringen, da er sich von Einzel-Landwirtschaften mit privatem Landbesitz eine höhere Effektivität versprach.

Die "Marxisten" Russlands haben die Entwicklung in der Landwirtschaft regelmäßig überschätzt, erklärten gar, die Obtschina sei verschwunden oder unbedeutend geworden. Das zeigt sich u.a. in ihren Revolutionsstrategien und Agrarprogrammen. Auf der anderen Seite haben die "volkstümlichen Sozialisten" die russische Dorfgemeinde als sozialistische Urform aufgefasst. Danach sollte das Dorf zu einer Keimzelle eines Kommunismus werden, ohne das Stadium des Kapitalismus durchlaufen zu müssen. Karl Marx hielt die Dorfgemeinde für eine "urkommunistische" Einrichtung, die mit der Hilfe der modernen Industrie den Kapitalismus "überspringen" könne.

Die Dorfgemeinde ist deshalb bedeutsam für die Revolution, da die Bauern, mit über zwei Dritteln die größte Klasse 1917, der Revolution ihren Stempel aufdrücken konnten. Mit der Oktoberrevolution wurde ihre Hauptforderung, die Verteilung allen Landes unter den Bauern nach den Regeln des Mir, erfüllt. Dass heisst u.a. auch, dass große landwirschaftliche Betriebe zerschlagen wurden - was sich nicht positiv auf die Lebensmittelversorgung auswirkte.

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Duma

Ist die Bezeichnung für das russische Parlament. Im zaristischen Russland bildete die Staats- oder Reichsduma zusammen mit dem Reichsrat die offizielle gesetzgebende Gewalt. Während sich der Reichsrat aus vom Zar bestimmten Mitgliedern und Vertreten bestimmter Institutionen wie z.B. der Kirche zusammensetzte, war die Staatsduma gewählt - wenn auch nicht demokratisch.

Die Staatsduma wurde als Folge der niedergeschlagenen Revolution von 1905 geschaffen. Der Zar behielt sich allerdings ein Veto- und Auflösungsrecht vor. Sie trat im Jahr 1906 das erste mal zusammen. Da die notwendige Zusimmung der Duma zu Gesetzen oft missachtet wurde, blieb das Parlament machtlos.

"Das neue (indirekte und ungleiche) Parlamentswahlrecht begünstigte Adel und Besitzbürgertum; in der Hoffnung, dass die Bauern im Grunde konservativ und zarentreu geblieben seien, räumte man auch ihnen eine beachtliche Stimmenquote ein. Als sich diese Annahme als falsch erwies, und zu 'radikalen' Mehrheiten in der Duma führte, oktroyierte die Regierung (1907) einfach ein neues Wahlrecht; es machte die konservativen, meist adeligen Grundbesitzer zur Vorherrschenden, praktisch alles entscheidenden Gruppe." (Altrichter, Kleine Geschichte der Sowjetunion) Die größte Partei nach der Wahlrechtsänderung wurden die Oktobristen. Die vierte Duma bestand bis 1917. Aus ihr ging das Dumakomitee und die Provisorische Regierung der Februarrevolution hervor. Der Begriff Duma wurde und wird auch für andere Versammlungen verwendet, z.B. für die Bojaren-Duma im Mittelalter, die Stadt-Dumen für die städtische Selbstverwaltung und jetzt wieder für das russische Parlament seit 1993.

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Dumakomitee

Ein in der Februarrevolution gebildetes Komitee aus 10 Mitgliedern der alten Duma. Die Mitglieder wurden vom Ältestenrat der Duma ausgewählt und waren allesamt Repräsentanten des "Progressiven Blocks". Das Dumakomitee wurde als Reaktion auf die Auflösung der Duma durch den Zaren und die Bildung des Arbeitersowjets in der Februarrevolution zusammengesetzt. Die meisten Mitglieder standen der Revolution -zumindest zu diesem Zeitpunkt- ablehnend gegenüber, wollten aber die Ordung in Petrograd wieder herstellen und versuchten deshalb, die Initiative zu übernehmen. Am 28. Februar erklärte das Komitee die Machtübernahme, die es mit der Besetzung des Transportministeriums begann durchzuführen. Am 2. März 1917 bildete es mit Unterstützung des Exekutivkomitees des Arbeitersowjets die Provisorische Regierung, die, in wechselnder Zusammensetzung, bis zum Oktober des selben Jahres regierte. Das Exekutivkomitee des Arbeitersowjets, der eigentliche Machtfaktor der Revolution, überließ dem Dumakomitee die politische Macht und drängte es zur Bildung der Provisorischen Regierung. Als Gegenleistung wurden einige Forderungen erhoben, z.B. die Freilassung von politischen Gefangenen, Versammlungs- und Streikrecht sowie die Planung einer demokratische gewählten Kostituierenden Versammlung.

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Konstituierende Versammlung

Eine Versammlung, die eine Verfassung beschließen soll. In der russischen Februarrevolution 1917 wurde die demokratische Wahl einer Konstituierenden Versammlung beschlossen, die eine demokratisch-republikanische Verfassung für das nachrevolutionäre Russland ausarbeiten sollte. Die Wahl wurde im November 1917 durchgeführt, die erste und letzte Versammlung traf am 5. Januar zusammen. Am 6. Januar wurde sie von den Bolschewiki aufgelöst. (Wahlergebnisse: 60% für sozialrevolutionäre Gruppen, 24% Bolschewiki, 4,5% Kadetten, 2-3% Menschewiki)

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Kadetten

Die Partei der "Konstitionellen Demokraten", gegründet 1905, wurden aufgrund ihrer Anfangsbuchstaben (KD) Kadetten genannt. Sie traten, deshalb der Name, für eine Demokratie unter zaristischer Regierung ein. Sie wollten also eine Reform, nicht die Abschaffung des Zarismus. Rosenberg beschrieb sie in "Liberals in the Russian Revolution" als eine "Ansammlung von gutgekleideten Rechtsanwälten, Professoren, Staatsbeamten und Fachleuten aus der provinziellen Selbstverwaltung" (zitiert nach Altrichter, Russland 1917). Hier schloss sich also das nicht-industrielle Bürgertum, welches sich zu entwickeln begann, zusammen.

Die Kadetten waren in der Duma und in den ersten Provisorischen Regierungen (bis August 1917) vertreten. In dieser Regierung traten sie für eine möglichst grosse Kontinuität, insbesondere auch in der Aussenpolitik, ein. Sie lehnten einen Seperatfrieden mit den Kriegsgegnern ab. Vor allem der Parteivorsitzende und erste Außenminister der Provisorischen Regierung, Miljukow, wollte die Großmachtpolitik des Zaren weiterführen. Nach der Februarrevolution und der Abdankung des Zaren nannte sich die Partei in "Partei der Volksfreiheit" um.

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Narodniki

Sozialistische Volkstümler, die vor allem in der ländlichen Obschtschina wie auch in der Genossenschaftsform des Artels die Möglichkeit für Russland gegeben sahen, den Sozialismus ohne den "Umweg über den Kapitalismus" direkt aus dem Zarenreich zu erreichen. Die ersten Vordenker des Narodnikentums waren Herzen und Belinski in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts.

Massenwirksam wurde es ab den 60er Jahren, vor allem vertreten durch Tschernischewkis Werk "Was tun?", das in der russischen Intelligenz geradezu verschlungen wurde. Anfangs anarchistisch geprägt, versuchten Tausende durch das "Gehen ins Volk" die Bauernschaft für die Revolution gegen das Zarentum zu gewinnen. Nach der Ablehnung dieser Bewegung durch die Bauern wandte sich die Mehrheit der Narodniken dem Terrorismus gegen den russischen Staat zu, so u.a. auch Lenins älterer Bruder. Höhepunkt war die Ermordung von Alexander II. 1881. Nach der gnadenlosen Unterdrückung dieses "nihilistisch" genannten Terrors durch den zaristischen Gewaltapparat setzen viele der Narodniken ihre Hoffnung auf den russischen Staat als Retter der bäuerlichen Dorfgemeinde. Prominentestes Beispiel ist der Übersetzer von Marx' "Kapital" ins Russische, Danielson (Nikolai-on).

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National-Sozialrevolutionäre

So nannte man diejenigen unter den Sozialrevolutionären, die mehr betonten, dass es sich bei der kollektiven Bodenverfassung (Obschtschina) um eine "nationale" Besonderheit Russlands handele, die es auch gegen Feinde von Aussen (ausländisches Kapital, die Gegner im ersten Weltkrieg) und Innen (die anderen "Völker" des Zarenreichs wie Ukrainer und Kosaken) zu verteidigen gälte.

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Oktobristen

Die Partei der Oktobristen, offizieller Name "Union des 17. Oktober", war gegen die Revolution, gegen ein demokratisches Wahlrecht und gegen eine Verfassungsgebende Versammlung. Sie stand auf dem Standpunkt des zaristischen Okobermanifests von 1905, welches die Duma als machtloses Parlament ins Leben rief. Nach der Wahlrechtsänderung von 1907 wurde sie größte Fraktion. Die Oktobristen galten als die Partei der Industrie. Nach der Februarrevolution zerfiel die Partei in mehrere Flügel, obwohl sie an der ersten Provisorischen Regierung noch beteiligt war.

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Progressiver Block

Der Progressive Block war ein Zusammenschluss von etwa zwei Dritteln der Dumaabgeordneten, welcher eine dem Parlament verantwortliche Regierung und bürgerliche Rechte forderte, unter anderem auch die Zulassung von Gewerkschaften. Er entstand im September 1915.

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Provisorische Regierung

Die Regierung des Russischen Reiches zwischen Februar- und Oktoberrevolution 1917. Sie sollte ursprünglich bis zur Bildung einer Konstituierenden Versammlung an der Macht bleiben. Die erste Regierung wurde von einem "speziellen Komitee" der alten Duma, dem Dumakomitee, aufgestellt - unter Duldung und Mitwirkung des Arbeitersowjets. Bis zum Oktober 1917 gab es verschiedene Regierungen mit wechselnden Mitgliedern, Ministerpräsidenten und beteiligten Parteien. In der Oktoberrevolution wurde sie durch den "Rat der Volkskommissare" ersetzt.

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Sozialrevolutionäre

Zu Anfang des 20. jahrhunderts belebte sich das anarchistische Narodnikentum wieder, als offensichtlich wurde, das der zaristische Staat die russische Dorfgemeinde nicht retten konnte und die Bürokratie eher darauf setze, gegen die Obschtschina privat wirtschaftende und ihr Land selbst besitzende Bauern zu schaffen. 1902 gründete sich die Partei der sozialrevolutionäre (SR), deren Hauptprogrammpunkte die Beseitigung des Zarentums und die schwarze Umteilung - also die Übergabe sämtlichen Bodens an die Dorfgemeinden - waren.

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Trudowiki

Diese liberalere Richtung unter den Sozialrevolutionären bildete sich nach dem Scheitern der ersten russischen Revolution 1905-1907 in der nuegeschaffenen Duma. Sie wollten durch Reformen die Dorfgemeinden erhalten und einen liberalen Staat fördern. Ihr Fraktionsvorsitzender Kerenski wurde Ministerpräsident der Provisorischen Regierung.

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Volkstümler

Der Begriff "Volkstümlertum" oder Populismus fasst alle politischen Strömungen in Russland zusammen, die das russische Volk aufgrund seiner sozialen bzw. kulturellen Besonderheiten für auserwählt hielten, Europa vor der modernen Dekadenz zu retten. Hervorgehoben wurden vor allem die kollektive Dorfgemeinde und damit einhergehend das nicht-individualistische empfinden der Landbevölkerung. Dabei umfasste der Begriff "Volkstümler" agressive Panslawisten, reaktionäre Zaristen, konservative Slawophile, liberale Nationalisten sowie die sozialistischen Narodniki.

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Volkssozialisten

Diese sozialrevolutionäre Fraktion in den Dumen hoffte ohne politische Reformen durch Staatsunterstützung die Obschtschina erhalten zu können.

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