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übersicht: das jahr 1917


mit diesem kleinen artikel soll ein überblick über die revolutionären ereignisse des Jahres 1917 (*1) in russland gegeben werden, die schliesslich zur gründung der sowjetunion führten. natürlich kann das thema hier nicht in seiner gesamtheit abgehandelt werden. der text ist deshalb sehr knapp und an den fakten gehalten - bewertungen und schlussfolgerungen heben wir uns für die folgenden artikel auf!

russland befand sich zu diesem zeitpunkt im krieg mit deutschland und österreich-ungarn (1. weltkrieg). es wurde monarchisch, vom so genannten zaren, regiert. seit der revolution von 1905 gab es eine art parlament, die duma, die allerdings ziemlich machtlos war. die mehrzahl der bewohner waren bauern, welche in dorfgemeinschaften mit gemeinsamen grundbesitz organisiert waren. industrie und kapitalismus waren wenig entwickelt, wenn überhaupt in den zentren wie der hauptstadt petrograd. die arbeiterschaft war zahlenmäßig klein. allerdings war die arbeiterbewegung durch die zentralisierung gut organisiert. die soldaten des weltkrieges waren in der mehrzahl bauern - arbeiter wurden in der kriegsindustrie benötigt. offiziere kamen zum allergrößten teil aus dem adel, zu einem kleinen aus dem entstehenden bürgertum.

nicht zu verwechseln ist die russische monarchie mit dem westeuropäischen feudalismus: leibeigenschaft war abgeschafft, der adel besaß zwar einen grossen anteil am land sowie steuerprivilegien, war aber oft auch nicht besonders reich. die ganze politische macht lag offiziell allein beim zaren. freie bauern, die selbständig ihr eigenes land bebauten, gab es kaum. der grossteil der bauern lebte in den erwähnten dorfgemeinschaften (mir oder obscina), die ihr gemeinsames land alle paar jahre neu unter den mitgliedern zur bearbeitung aufteilten. insgesamt lebten über 80% der bewohner auf dem land.

die februarrevolution

nachdem die lage in den städten und an den fronten immer schlechter wurde, besonders was die lebensmittelversorgung angeht, wurde die stimmung in der hauptstadt petrograd immer schlechter. am 9. januar, dem jahrestag der revolution von 1905, kam es zu ersten demonstrationen. diese waren mit streiks verbunden, da sie zu den arbeitszeiten stattfanden. streiks wurden mit aussperrungen beantwortet. demonstrationen, streiks und aussperrungen nahmen im februar zu. ursprünglich sollte die duma gedrängt werden, dem zaren gegenüber offensiver aufzuteten, um die probleme des landes zu lösen. es kam immer öfter zu zusammenstößen mit der staatsgewalt. die parolen dieser demonstrationen waren: "brot", "schluss mit dem krieg", "nieder mit der autokratie".

am 25. und 26. februar kommt es dann zu ernsteren zusammenstößen - es gibt viele tote auf seiten der demonstranten. als reaktion darauf meutern die soldaten der petrograder garnision und laufen in den nächsten tagen geschlossen zu den aufständischen über. am 2. märz wird eine provisorische regierung aus vertretern der alten duma gebildet. da der zar die duma auflösen wollte, hatte er hier keinen rückhalt mehr. am 3. musste er abtreten. die regierung bestand aus bürgerlich-liberalen duma-mitgliedern, die sich um die kadetten-partei gruppierten. die kadetten war die "partei der konstitionellen demokraten", die, abgeleitet von der parteiabkürzung kd, den spiznamen "kadetten" abbekommen hatte.

neben der provisorischen regierung bildete sich aus den revolutionären arbeitern und soldaten eine weitere organisation, die arbeiter- und soldatenräte (sowjets). diese organisationsform war schon in den aufständen des jahres 1905 aufgetreten und bildete sich nun wieder neu. der petrograder rat überliess der provisorischen regierung, unter einigen forderungen, die macht, die er durch die arbeiter- und soldatenmassen besaß. eine dieser forderungen war die wahl einer konstituierenden (verfassungsgebenden) versammlung. im rat dominierten die parteien der sozialrevolutionäre und der menschewiki. die sozialrevolutionäre waren die partei der bauernschaft und hatten als hauptforderung die umverteilung des landes. die menschewiki waren eine fraktion der arbeiterparteien (die bolschewiki die andere) und traten mit der einstellung auf, die bürgerlichen parteien die regierung bilden zu lassen, da es sich um eine bürgerliche revolution handeln würde. da die soldaten in der mehrzahl bauern waren, hattten diese eine starke vertretung in den räten.

die doppelherrschaft

das nebeneinander von arbeiter- und soldatenrat auf der einen und provisorischer regierung auf der anderen seite wurde als die doppelherrschaft bezeichnt. diese bestand bis zur oktoberrevolution fort - wenn auch unter wechselnden regierungskoalitionen und machtaufteilungen. aber: auf eine vorläufige beruhigung der politischen lage folgte bald der zerfall der staatsmacht.

die erste krise der neuen ordnung fällt in den april. die koalitionsparteien sind uneinig über ihre politik, der krieg geht weiter und die wirtschaltliche lage verschlechtert sich. ende des monat wird eine neue provisorische regierung gebildet, diesmal unter beteiligung von mitgliedern des arbeiter- und soldatenrates.

im april fällt auch die rückkehr lenins aus dem exil und die verkündung seiner aprilthesen. in diesen erklärt er unter anderem, dass die erste phase der revolution abgeschlossen sei und eine weitere folgen wird, die dem proletariat im bündnis mit den armen schichten der bauernschaft die macht geben wird.

im juni bahnt sich die nächste krise an. das scheitern einer frontoffensive, der rücktritt der minister der kadetten aus der regierung sowie ein putschversuch durch einen teil der petrograder soldaten fielen anfang juli zusammen. dieser aufstandsversuch fand bereits unter bolschewistischen losungen statt.

die oktoberrevolution

die politische und soziale lage russlands verschlechterte sich in den folgendem monaten weiter. bauernunruhen, die die von der bauernschaft erwartete landverteilung vorwegnahmen, häuften sich. die armee konnte den deutschen vormarsch nicht mehr aufhalten - petrograd war von deutschen truppen bedroht. die forderungen der februarrevolution - brot, land, frieden - wurde von der provisorischen regierung nicht erfüllt, es wurde weiter gehungert und gestorben.

die bolschewistische partei hatte am 31. august das erste mal eine mehrheit im petrograder arbeiter- und soldatenrat. am 25. oktober wurden strategische punkte der stadt durch das "militärische revolutionskomitee", welches dem rat unterstellt war und dem trotzki vorstand, besetzt. in der folgenden nacht wurde die provisorische regierung im winterpalast verhaftet. mit dieser militäraktion wurde die doppelherrschaft beendet und der arbeiter- und soldatenrat unter führung der bolschewiki in koalition mit einem teil der sozialrevolutionären partei an die macht gebracht. mit der verstaatlichung des bodens, der sofortigen aufnahme von friedensverhandlungen und der einführung der arbeiterkontrolle in den betrieben wurden die wichtigsten forderungen der bolschewiki sofort umgesetzt. der neu geschaffene "rat der volkskommissare" wurde zur neuen regierung und erhielt bis zum dezember alle staatlichen funktionen des revolutionskomitees. der 25. oktober ging als oktoberrevolution in die geschichte ein.

die konstituierende versammlung, die eigentlich die staatliche zukunft des russischen reiches bestimmen sollte, wurde noch im november - also nach dem oktoberumsturz- gewählt. ihr erstes und einziges treffen fand am 5. januar statt. sie wurde von den bolschewiki unter hinweis auf die noch vorm oktober erstellten wahllisten und den angeblich geänderten realen mehrheitsverhältnissen (die bolschewiki erreichten etwa 24%, die sozialrevolutionäre 60% und die kadetten 4,5%), aufgelöst und war somit bedeutungslos.

das revolutionsjahr endete also mit der bolschewistischen machtübernahme - das jahr 1918 sollte sich zum ersten jahr des bürgerkriegs entwickeln. im februar 1918 wurde ein friedensabkommen mit deutschalnd in brest-litowsk (*2) unterzeichnet und der krieg beendet. allerdings zerbrach daraufhin die neue koalition - die sozialrevolutionäre wollten einen frieden zu solch schlechten bedingungen, dass heißt hauptsächlich landverluste, nicht akzeptieren.


*1
wir verwenden hier im allgemeinen das datum des julianischen kalenders, welches in russland im jahr 1917 galt - damit die revolutionen auch in die richtigen monate fallen. unser gregorianische kalender ist nämlich (jedenfalls im 19. jahrhundert) schon 13 tage weiter! wenn wir doch mal ein datum verwechseln, wird es hoffentlich nicht so schlimm sein...

*2
Der Friedensvertrag von Brest-Litowsk: www.forost.ungarisches-institut.de