
dieser text von 1929 beschäftigt sich als einer der ersten mit marx stellungnahme zu der russischen dorfgemeinde und der von ihm gesehenen möglichkeit ihrer sozialistischen entwicklung. im gegensatz zu westeuropa hat es in weiten teilen russlands lange zeit kein privateigentum an grund und boden gegeben. stattdessen besaß das russische dorf den boden in einer art urkommunistischen dorfgemeinschaft kollektiv. "Diese Form der Wirtschaft, in der der Bauer seinen Anteil am Gemeindebesitz (Obtschina) nicht von der Familie erbt, sondern von der Gemeinde (Mir) in periodischer Umteilung zugeteilt erhält, war vor allem in Großrussland und der Ukraine vorherrschend" (Mandelbaum). der volkstümliche russiche sozialismus, die "volkstümler" (narodniki) hielten russland wegen diesem vorhandensein der urkommunistischen dorfgemeinden für den kommunismus prädestiniert. in russland könnte aufgrund dieser seiner besonderheit der kommunismus in der gesellschaft durchgesetzt werden, ohne vorher den kapitalismus durchleiden zu müssen. der nach westeuropa orientierte sozialismus hingegen, welcher gegen ende des 19. Jahrhunderts in russland entsteht und später unter den namen menschewiki und bolschewiki berühmt wird, ist sich sicher, dass sich zunächst der kapitalismus im russischen dorf durchsetzten muss, bevor ihre revolution siegen kann. vor der sozialistischen revolution müsste in russland die demokratische - also bürgerliche - revolution stattfinden. die von uns digitalisierte schrift "zur vorgeschichte der russischen revolution" beschäftigt sich damit, welche positionen es zu dieser frage -des zusammenhangs von dorfgemeinde und revolution- gab. vor allem skizziert sie, wie marx selbst als entdecker der kapitalistischen entwicklungsgesetzte zu dem russischen urkommunismus der dorfgemeinde stellung nahm. noch in den zwanziger jahren des letzten jahrhunderts veröffentlicht, ist kurt mandelbaums auseinandersetzung mit dieser grundlegenden frage offen, wenn auch nicht vorurteillos. gegen marx meint auch mandelbaum, gemeinsam mit allen anderen marxisten, dass sich in russland am übergang vom 19. zum 20. jahrhundert der kapitalismus auf dem lande durchgesetzt hätte und somit die dorfgemeinde dem untergang geweiht sei. welche fatalen konsequenzen diese sicht der russischen verhältnisse für die russische revolution hatte, sieht man nicht nur an den dargestellten positionen lenins, sondern auch an mandelbaums eigener stellungnahme zu den problemen in der sowjetunion der zwanziger jahre. mandelbaum teilt die vorurteile aller russischen marxisten gegenüber der dorfgemeinde als vermeintlich überlebtem überbleibsel des asiatischen mittelalters. sowohl die offene darlegung der verschiedenen meinungen zur zukunft der russischen dorfgemeinden als auch die vorurteile über die realen gesellschaftlichen verhältnisse in russland sind sehr informativ, wodurch sich der text bestens für einen einstieg zu einer modernen analyse des charakters der oktoberrevolution eignet. gerade der vergleich der realen russischen entwicklung mit den meinungen der russischen marxisten über die bedeutung der dorfgemeinde für russland im 20. jahrhundert zeigt den tragischen irrtum, den auch mandelbaum unterleigt, obwohl er die position von marx, die wie so oft die wirklichkeit viel besser trifft. ursprünglich bildete der text die einleitung zur veröffentlichung des briefwechsels von marx und engels mit dem übersetzer des kapitals ins russische, danielson bzw. nikolaj-on, einem narodniki und führenden ökonomen des 19. jahrhunderts. weitere materialien:>> brief von karl marx an vera sassulitsch (incl. entwürfe) |
|