
eine zitatfälschung besonderer art und ihr theoretischer hintergrundin den nummern 17 - 19/99 des roten morgen, hat ein nicht genannter genosse in einer dreiteiligen serie, unter dem titel "betrachtungen zur entwicklung der ddr", über die gründe für das ende der ddr und des "realexistierenden sozialismus" philosophiert. dies ist an sich nichts besonderes. nostalgische betrachtungen und spekulationen über das ende der ddr haben gerade im 50. jahrestag ihrer gründung und im 10. jahrestag ihres endes, wieder hochkonjunktur. neu ist allerdings, daß der genosse marx als kronzeugen für seine betrachtungen über den sozialismus heranzieht. obwohl er ihn als kronzeugen heranzieht, sind allerdings seine auffassungen denen von marx direkt entgegengesetzt. dies macht eine nähere betrachtung der problematik nötig, vorallem weil der angesprochene themenkomplex grundsätzliche fragen der revolutions- und staatstheorie des wissenschaftlichen kommunismus betrifft. die zitatfälschungder genosse krönt seine ideologischen "betrachtungen zur entwicklung der ddr" mit der behauptung: "marx behielt recht: der 'sozialismus ist die permanenzerklärung der revolution, die klassendiktatur des proletariats als notwendiger durchgangspunkt zur abschaffung der klassenunterschiede überhaupt, zur abschaffung sämtlicher produktionsverhältnisse, worauf sie beruhen, zur abschaffung sämtlicher gesellschaftlicher beziehungen, die diesen produktionsverhältnissen entsprechen, zur umwälzung sämtlicher ideen, die aus diesen gesellschaftlichen beziehungen hervorgehen.’" (rm 19/99, s. 10) bei marx liest sich das ganze ein bißchen anders. in der schrift, aus der dieses zitat entnommen ist - die klassenkämpfe in frankreich 1848 bis 1850 - geht es nicht darum, was der sozialismus ist oder zu sein hat. er analysiert in dieser schrift die klassenkräfte und ihre programme in den klassenkämpfen zwischen der revolution von 1848 bis zum staatsstreich bonapartes 1851, wobei er aufzeigt, das sich sehr unterschiedliche klasseninteressen hinter der fahne des sozialismus, der partei der roten republik, der sog. partei der anarchie verbergen - der bürgerliche sozialismus, der kleinbürgerliche sozialismus und der revolutionäre sozialismus. zum letzteren heißt es dann: "gruppiert sich das proletariat immer mehr um den revolutionären sozialismus, um den kommunismus, für den die bourgeoisie selbst den namen blanqui erfunden hat." (mew 7, s. 89, herv. v. v.) worum es sich also handelt ist eine partei und ihr programm innerhalb der bürgerlichen gesellschaftsordnung. anschließend folgt dann die oben zitierte stelle. "dieser sozialismus ...", also diese partei und die klasse, die hinter dieser partei steht, das proletariat, vertritt das oben zitierte programm der revolutionären umwälzung der bürgerlichen gesellschaft. dies ist der gedanke von marx. durch die ersetzung des wortes "dieser" durch "der" von dem schreiber des artikel wird der stelle ein ganz anderer, aus dem zusammenhang gerissener sinngehalt gegeben. "sozialismus im marxschen sinne ist die übergangsgesellschaft zum kommunismus ...", so die behauptung und schlußfolgerung unseres betrachters zur entwicklung der ddr. übergangsperiode und übergangsgesellschaftdie theorie des sozialismus als einer übergangsgesellschaft zum kommunismus hat mit den marxschen auffassungen nichts zu tun. sie ist eine erfindung lenins, welche in der theorie ulbrichts "vom sozialismus als eigenständiger sozialökonomischer formation" nur ihren konsequenten ausdruck gefunden hat. "zwischen der kapitalistischen und der kommunistischen gesellschaft liegt die periode der revolutionären umwandlung der einen in die andere. der entspricht auch eine politische übergangsperiode, deren staat nichts anderes sein kann als die revolutionäre diktatur des proletariats." (mew 19, s. 28) in der auffassung von marx gibt es eine geschichtliche periode der revolutionären umwandlung der einen gesellschaftsordnung in eine andere, eine periode die selbst kein eigener gesellschaftszustand ist, auch keine übergangsgesellschaft, sondern die revolution in permanenz. für marx bedarf es dieser übergangsgesellschaft nicht, da für ihn der kommunismus ein kind des kapitalismus ist, der kapitalismus die materiellen und geistigen voraussetzungen für die kommunistische gesellschaftsordnung schafft und weiter schafft. die übergangsperiode ist bei marx nicht der sozialismus im unterschied zum kommunismus sondern die revolution, die permanenzerklärung der revolution. sozialismus und/oder kommunismus?in seiner vorrede zur englischen ausgabe des kommunistischen manifest von 1888, erläuterte engels noch einmal warum sie ihrer theorie den namen kommunismus anstatt sozialismus gaben. "so war denn 1847 sozialismus eine bewegung der mittelklasse, kommunismus eine bewegung der arbeiterklasse. ... und da wir von allem anfang der meinung waren, daß 'die emanzipation der arbeiterklasse das werk der arbeiterklasse selbst sein muß’, so konnte kein zweifel darüber bestehen, welchen der beiden namen wir wählen mußten." (mew 4, s. 581) der revolutionäre sozialismus, der sozialismus der arbeiterklasse, ist der kommunismus. aus diesem grunde gaben marx und engels ihrer theorie den namen kommunismus. soweit sie in der späteren zeit den namen sozialismus verwendeten, dann synonym, identisch mit dem namen kommunismus, als ein anderen begriff für das gleiche. eine der am meisten verbreitenden theorie vom sozialismus als einer übergangsgesellschaft, stützt sich auf die, von marx, in seiner kritik des gothaer programms, vorgenommene differenzierung der kommunistischen gesellschaft in eine erste und zweite phase. das unterscheidungskriterium bei marx ist das verteilungsprinzip der konsumtionsmittel. in der ersten phase des kommunismus, "wie sie eben aus der kapitalistischen gesellschaft hervorgeht", gilt noch das bürgerliche recht, die verteilung nach dem prinzip "jeder nach seinen fähigkeiten, jedem nach seiner leistung". in der höheren phase, in dem maße "wie sie sich auf ihrer eigenen grundlage entwickelt"..., ... "kann der enge bürgerliche rechtshorizont ganz überschritten werden und die gesellschaft auf ihre fahne schreiben: jeder nach seinen fähigkeiten, jedem nach seinen bedürfnissen!" (mew 19, s. 21) die produktionsverhältnisse, die bedingungen der produktion sind für in beiden phasen des kommunismus gleich. ein unterschied wird nur in den prinzipien der verteilung der konsumtionsmittel gemacht. den sozialismus als erste phase des kommunismus zu definieren, als eine besondere vom kapitalismus und kommunismus unterschiedene übergangsgesellschaft, als eine eigenständige sozialökonomische formation zu behandeln, läuft im kern darauf hinaus, eine gesellschaftsordnung nicht mehr aus den produktionsverhältnissen, aus den bestimmten beziehungen, welche die menschen im produktionsprozeß eingehen, zu erklären, sondern aus der verteilung. staat im sozialismus?eine der seiten der theorie vom sozialismus als einer übergangsgesellschaft ist die legitimation der fortexistenz von staat, klassen- und klassenunterschiede und dem klassenkampf im sozialismus. wenn man das oben angeführte zitat im richtigen zusammenhang darstellt, ergibt sich schon von selbst, das von einer fortexistenz von staat, klassen und klassenkampf im sozialismus bei marx keine rede sein kann. "dieser sozialismus ist die permanenzerklärung der revolution, die klassendiktatur des proletariats als notwendiger durchgangspunkt zur abschaffung der klassenunterschiede überhaupt ..." all die schönen sächelchen, staat, klassen und klassenkampf, mit denen uns auch die kpd (roter morgen) im sozialismus beglücken will, werden nach marx in der revolution, der revolutionären übergangsperiode beseitigt, als voraussetzung der einführung der kommunistischen (oder sozialistischen) gesellschaftsordnung. das proletariat braucht den staat nur in der revolution, der revolution in permanenz, der revolutionären übergangsperiode der umwandlung des kapitalismus in den kommunismus, während "mit einführung der sozialistischen gesellschaftsordnung der staat sich von selbst auflöst und verschwindet." (mew 19, s. 7) resümeedie auffassungen des genossen in seinen "betrachtungen zur entwicklung der ddr" zum übergang vom kapitalismus zum kommunismus, stehen, im gegensatz zu seinen behauptungen, im widerspruch zur theorie von marx und engels, zum wissenschaftlichen sozialismus. marx als kronzeugen für seine theorie vom sozialismus als übergangsgesellschaft zum kommunismus, unter dem motto "marx hat recht" heranzuziehen, gelingt nur dem boden einer zitatfälschung, vermittels einer aus dem wirklichen zusammenhang gerissenen formulierung. |
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