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warum produziert der kapitalismus arbeitslosigkeit?


die ware arbeitskraft

die arbeitskraft ist im kapitalismus eine ware. wie jede ware wird sie ge- und verkauft. arbeitskraft beschreibt das arbeitsvermögen, dass ein mensch hat und welches er auf dem arbeitsmarkt verkaufen kann. die meisten menschen müssen sie verkaufen, um mit dem erlös (=lohn) lebensmittel zu kaufen. lebensmittel ist hier in einem weiten sinne gefasst: als alles, was ein mensch in unserer gesellschaft zum leben braucht - also auch miete, information, mobilität etc.

der wert einer ware hängt ab von der in ihr vergegeständlichten arbeitszeit - also der arbeitszeit, die zur produktion aufgewand wurde, den produktionskosten. auch der wert der ware arbeitskraft bestimmt sich nach ihren produktions- und reproduktionskosten - also den lebensmitteln. der preis, also der lohn, der arbeitskraft schwankt um diesen wert und kann (z.b. bei einem überangebot = arbeitslosigkeit) auch unter letzteren gedrückt werden.

die arbeitskraft in der produktion

im produktionsprozess kauft der kapitalist arbeitskraft zu ihrem marktpreis. zusammen mit seinen maschinen lässt er diese dann produzieren. das besondere an der ware arbeitskraft ist, dass sie, wenn sie in aktion tritt, mehr werte produzieren kann, als sie selber wert ist. also dass sie mehr arbeiten kann, als zum blosen produzieren der lebensmittel nötig wäre. dass heisst, dass der kapitalist die hergestellten waren teurer verkaufen kann, als er für maschinen, rohstoffe etc. und arbeitskraft aufgewendet hat. dieser zusätzlich geschaffene wert heisst mehrwert und ist der grund, warum der kapitalist profit machen kann, obwohl er alles zu seinen werten kauft und verkauft.

aufgrund der konkurrenz auf dem markt ist der kapitalist genötigt, seine waren möglicht billig herzustellen. dann kann er seine waren billiger als die konkurrenz verkaufen oder einen größeren profit machen. die kosten, die der kapitalist für die produktion aufwendet (maschinen, rohstoffe, arbeitskraft), heissen herstellungskosten. diese herstellungskosten gilt es zu drücken, um im konkurrenzkampf zu bestehen.

zum senken der herstellungskosten gibt es mehrere möglichkeiten:

  • steigerung der produktivität mit besseren maschinen
    (also weniger arbeitszeit pro produkt)
  • längere arbeitszeiten oder erhöhung der arbeitsintensität
  • senkung des lohns
  • einsparungen an rohstoffen etc.
  • auswirkungen von produktionssteigerungen

    der wichtigste hebel zur senkung der herstellungskosten ist die produktivitätssteigerung. das bedeutet, dass das einzelne produkt mit weniger arbeitseinsatz hergestellt werden kann. häufigstes mittel dazu sind verbesserte maschinen und werkzeuge. wenn die anzahl der verkauften produkte gleich bleibt, gibt es zwei möglichkeiten, die eingesparte arbeitszeit zu nutzen: weniger arbeiter bei gleicher arbeitszeit oder weniger arbeitszeit bei gleicher anzahl der arbeiter. für den kapitalisten kommt nur die erste möglichkeit in frage. da der wert der ware arbeitskraft konstant bleibt (damit auch der lohn also die kosten für das kapital), können diese kosten nur gesenkt werden, wenn weniger arbeiter die gleiche anzahl von produkten herstellen.

    für das kapital lohnt es sich also nur, möglichst wenige arbeiter möglichst lange arbeiten zu lassen. dabei lohnt es sich auch noch, zuschläge - etwa für nachtarbeit oder überstunden - zu bezahlen. wenn dieses ziel (möglichst wenige arbeiter, die möglichst lange arbeiten) durch produktivitätssteigerungen verbessert werden kann - um so besser.

    solange der marktpreis der produzierten waren gleich bleibt, kann so auch noch der profit des einzelnen kapitalisten erhöht werden. das ist der antrieb für die produktivitätssteigerung. die andere seite dieses antriebes ist die, dass wenn die steigerung nicht erreicht werden kann, der kapitalist seine waren teurer verkaufen muss als die konkurrenten - was auf dauer nicht möglich ist.

    produktion und arbeitslosigkeit

    der kapitalist interessiert sich, in seiner rolle in der produktion, nur für lohnarbeit. er stellt nur so viele lohnarbeiter ein, wie er zur durchsetzung seiner profitinteressen braucht. 'überschüssige arbeitskräfte', also arbeitslose, interessieren hierbei nur, wenn sie sich zur drückung des lohns oder der arbeitsbedingungen nutzen lassen. kein kapitalist kann es sich leisten, 'aufgrund von sozialer verantwortung' o.ä. zusätzliche arbeiter einzustellen.

    hier zeigt sich, dass der kapitalismus nicht in der lage ist, alle ökonomische fortschritte auch in gesellschaftliche fortschritte umzuwandeln. wo er reichtum produziert, produziert er auch sein gegenteil.

    lösungsvorschläge der bürgerlichen politik

    die meisten hoffnungen der bürgerlichen politk setzen auf ein 'erhöhtes wirtschaftswachstum' um das problem der arbeitslosigkeit zu lösen. dieses wachstum wollen sie mit den verschiedensten mitteln fördern. die hoffnung dabei ist eine ausweitung der produktion, also dass mehr produkte hergestellt werden. wenn diese erweiterte produktion auf gleicher produktivitätsstufenleiter stattfinden würde, müssten mehr arbeiter eingestellt werden. da es aber immer auch produktivitätssteigerungen gibt, haben allerlei institute und vereine schon 'wirtschaftswachstumsgrenzen' errechnet, ab denen das wachstum auch neue arbeitsplätze schaffen soll.

    unterschiede gibt es eigentlich nur in den plänen, wie diese wachstum erzeugt werden soll. dass der einfluss der politik auf die wirtschaft sehr gering ist, wird dabei meist ignoriert.

    natürlich ist es möglich, dass ein teil der arbeitslosen durch eine steigerung der produktion aufgesogen werden kann. da die kapitalistische wirtschaft sich nicht gleichmäßig entwickelt, ist die arbeitslosigkeit sogar notwendig, um eine expansion der produktion aufzufangen - nur um später weiter arbeitslosigkeit zu produzieren. arbeitslosigkeit ist ein produkt der kapitalistischen wirtschaft. und zu einem gewissen grad auch eine voraussetzung für ihr funktionieren. jeder versuch, das problem 'zu lösen' muss scheitern. vorstellungen eines kapitalismus ohne arbeitslosigkeit bleiebn eine illusion.