Die materialistische Lehre, daß die Menschen Produkte der Umstände und der
Erziehung, veränderte Menschen also Produkte anderer Umstände und
geänderter Erziehung sind, vergißt, daß die Umstände eben von den Menschen
verändert werden und daß der Erzieher selbst erzogen werden muß. Sie kommt
daher mit Notwendigkeit dahin, die Gesellschaft in zwei Teile zu sondern,
von denen der eine über der Gesellschaft erhaben ist.
Das Zusammenfallen des Änderns der Umstände und der menschlichen Tätigkeit
kann nur als umwälzende Praxis gefaßt und rationell verstanden werden.

der staat

was ist der staat und wo kommt er her?

"den staat" oder staaten gibt es schon seit tausenden von jahren. aber es gab sie nicht von "ewig her" sondern staaten entwickelten sich mit der menschlicher gesellschaften.

und auch ihre rechtfertigungen, z.b. gott oder moral etc., entwickelten sich erst mit ihnen.

kennzeichen aller staaten ist eine loslösung gesellschaftlicher aufgaben von der gesellschaft selbst und ihre übertragung an institutionen, die der gesellschaft gegenüberstehen (gegen und über der gesellschaft). ursprünglich waren das z.b. religiöse aufgaben, heute sind es fast alle gesellschaftlichen aufgaben, z.b. in der politik oder verwaltung.

aber alle staaten entwickelten sich auf der grundlage von (und zusammen mit) klassen, in die sich die gesellschaften gespalten haben. somit haben auch alle entwickelteren staaten einen spezifischen klassencharakter, ob antiker, orientalischer, mittelalterlicher oder moderner.

hier kommt dem staat (mit seinen eigenständigen institutionen) eine seiner zentralen funktionen zu: nur der staat konnte verhindern, dass sich diese kräfte innerhalb der gesellschaft gegenseitig zerfleischen. er sichert bei zuspitzung der klassenwidersprüche den ausgleich zwischen herrschenden und beherrschten klassen - zumindest versucht er es.

der moderne staat

das gilt besonders für bürgerliche staaten. der moderne staat entwickelte sich (besonders in europa und nordamerika) auf der grundlage der bürgerlichen gesellschaft. deshalb ist dieser staat auch ein bürgerlicher, dessen aufgabe es ist, die bedingungen der (kapitalistischen) produktion aufrecht zu erhalten. das heisst, dass -in letzter instanz- auch der demokratische staat ein mittel zur vertretung der interessen einer minderheit und zur unterdrückung der mehrheit ist.

auch der sozialstaat ist nur eine spezielle form zur erfüllung dieser aufgabe. den 'unabhängigen staat' gibt und gab es nicht.

revolution und staat

da der staat sich auf der grundlage der klassengesellschaften entwickelt hat, fällt seine gesellschaftliche funktion und notwendigkeit weg mit der überwindung der klassen.

beides ist möglich geworden durch die entwicklung der modernen produktivkräfte und den ihnen entsprechenden gesellschaftlichen verhältnissen.

wenn eine revolution unsere klassengesellschaft, den kapitalismus, aufhebt, würde also auch der staat überflüssig werden. die voraussetzungen zur überwindung des staates wären geschaffen. die über oder außerhalb der gesellschaft stehenden, eigentlich gesellschaftlichen aufgaben, könnten wieder durch die gesellschaft selbst erledigt werden.

gesellschaft ohne staat

das heisst also eine gesellschaft ohne staat - aber ist das überhaupt möglich?

die mitglieder der gesellschaft - die menschen - könnten sich wieder selber um ihre (gesellschaftlichen) angelegenheiten kümmerm. alle bürokratie und alle funktionen, bei denen der staat sich mit sich selbst beschäftigt, könnten endlich wegfallen. möglich wird dies, außer durch den wegfall der klassen, durch den fortschritt in der produktivität und der kommunikation sowie durch die veränderung der menschen im kapitalismus und ihrer selbstveränderung in der revolution.

dies gibt jedem den willen und die möglichkeit, zeitlich und "informationstechnisch", bei der organisation der gesellschaft mitzuwirken. wozu braucht es also noch einen staat, wenn es nichts zu unterdrücken gibt? wozu im "dienst der gesellschaft" etwas verwalten wenn die gesellschaft ihre "geschäfte" selber organisiert?

wohl nicht, weil es schon immer einen staat gab...