Die materialistische Lehre, daß die Menschen Produkte der Umstände und der
Erziehung, veränderte Menschen also Produkte anderer Umstände und
geänderter Erziehung sind, vergißt, daß die Umstände eben von den Menschen
verändert werden und daß der Erzieher selbst erzogen werden muß. Sie kommt
daher mit Notwendigkeit dahin, die Gesellschaft in zwei Teile zu sondern,
von denen der eine über der Gesellschaft erhaben ist.
Das Zusammenfallen des Änderns der Umstände und der menschlichen Tätigkeit
kann nur als umwälzende Praxis gefaßt und rationell verstanden werden.

was heisst revolution?

die meisten leute, welche sich kommunisten nennen, führen ständig dass wort "revolution" im munde. "ohne revolution läuft nichts", "die revolution ist grossartig, alles andere ist quark" oder "es gibt keine alternative zur sozialen revolution". auch wir sind der auffassung dass zwischen unserer heutigen gesellschaft und dem kommunismus eine ganze revolution liegt. da stellt sich die frage, was man eigentlich darunter zu verstehen hat - und hier scheiden sich die geister.

revolution als staatsfrage ... ?

für die meisten leute bedeutet revolution nichts anderes als ein akt der machtergreifung (kommunisten) bzw. akt der abschaffung des staates (anarchisten). beides im sinne einer plötzlichen (meist militärischen) überrumpelung der bestehenden staatsmacht. es geht dabei um eine reine macht,- bzw. staatsfrage. nach diesem 'landläufigen' revolutionsverständnis ist es äussert schwer, irgendwelche differenzen zu einem blossen staatsstreich, bzw. einem putsch auszumachen. hinter all diesen theorien steckt einmal mehr die ansicht man könne die menschen mit seinem eigenen, "proletarischen" staat umerziehen (kommunisten), bzw. die ansich guten, nur unterdrückten menschen durch staatszerstörung befreien (anarchisten). es ist traurig, dass all diese theorien in der politischen linken noch immer hochkonjunktur haben, wo sie doch allesamt im letzten jahrhundert gescheitert sind. (>> siehe auch basic-artikel zum staat)

... oder revolutionäre umwälzung!

unseres erachtes bedeutet revolutuion aber immer eine gesellschaftliche umwandlung, in der sich die gesellschaft und die menschen in dieser ändern. revolution ist nicht eine machtfrage, sondern eine frage der realen gesellschaftlichen entwicklung. deshalb können sie auch nie "gemacht" werden; sie geschehen -mehr oder weniger- spontan.

nicht selten wenden sich deshalb grosse gesellschaftliche umwälzungen auch gegen ihre wirklichen oder selbsternannhen "führer".

bestes und berühmtestes historisches beispiel ist die französische revolution, die 1789 nur beginnt. die folgenden jahrzehnte waren geprägt von einer ganzen revolutionsepoche. das französische volk hat in dieser zeit alle gesellschaftlichen zustände und damit sich selbst von grund auf umgewälzt.

revolutionen gab es, gibt es und wird es geben, weil klassengesellschaften antagonistische widersprüche in sich bergen, also widersprüche, welche dauerhaft nicht durch kompromisse zu besänftigen sind. in unserer heutigen gesellschaft gibt es den grundwiderspruch zwischen gesellschaftlicher produktion und produktivkraftsteigerung einerseits und kapitalistischer verwertung andererseits.

die revolution ist dabei keine frage von ideen sondern, wie oben schon gesagt, eine frage der gesellschaftlichen entwicklung. diese entwicklung ist in erster linie eine entwicklung der produktionsverhältnisse der gesellschaft. erst auf dieser basis entwickeln sich ideen und gesellschaftliche theorien - auch revolutionäre theorien.

das heisst auch, dass eine zukünftige revolution eine umwälzung sein wird, die weit über eine machtfrage hinaus gehen wird. eine revolution, die mehr ist, als die abschaffung des staates. eine revolution, die an ihrem ende eine neue gesellschaft hat, die keinen staat mehr nötig hat - schon garnicht zur erziehung seiner "staatsbürger".

eine umwälzung, die alle teile der gesellschaft verändert: ökonomie, eigentumsverhältnisse, technik und ihre anwendung, soziale verhältnisse, kultur, kunst, staat, denken, psyche etc. pp.

wenn wir also von revolution sprechen (resp. schreiben) meinen wir damit eine grundlegende gesellschaftliche umwälzung, eine revolution der massen, eine ganze historische epoche (wobei an dieser stelle nicht über deren länge spekuliert werden soll).


wir halten sie da mit good old marx, der schrieb:

"daß sowohl zur massenhaften Erzeugung dieses kommunistischen Bewußtseins wie zur Durchsetzung der Sache selbst eine massenhafte Veränderung der Menschen nötig ist, die nur in einer praktischen Bewegung, in einer Revolution vor sich gehen kann; daß also die Revolution nicht nur nötig ist, weil die herrschende Klasse auf keine andre Weise gestürzt werden kann, sondern auch, weil die stürzende Klasse nur in einer Revolution dahin kommen kann, sich den ganzen alten Dreck vom Halse zu schaffen und zu einer neuen Begründung der Gesellschaft befähigt zu werden."