rosa luxemburg und der 4. august
die sozialdemokratische fraktion im kaiserdeutschen reichstag begründete ihre zustimmung zu den kriegskrediten 1914 mit der "verteidigung des vaterlandes gegen den russischen despotismus". in ihrer schrift "Die Krise der Sozialdemokratie" von april 1915 - besser bekannt als juniusbroschüre - tritt rosa luxemburg dieser begründung argumentativ entgegen. dabei entwickelt sie neben den gängigen imperialismus"theorien" einen neuartigen, tiefblickenden gedanken. anhand der inneren entwicklung deutschlands und des zarenreichs sowie ihres wechselseitigen verhältnisses zeigt sie, dass der hort der europäischen reaktion von moskau nach berlin wanderte. "(...) im Jahre 1848 war in Deutschland Revolution, in Rußland starre, hoffnungslose Reaktion. Im Jahre 1914 hingegen hatte Rußland die Revolution im Leibe, in Deutschland aber herrschte das preussische Junkertum." (gesammelte werke, bd.4, berlin, 1987, s.120) "Die europäische Reaktion, die preußisch-junkerliche in erster Linie, ist es, die jetzt der Hort des russischen Absolutismus ist." (S.116) damit waren die voraussetzungen von engels schrift "Die auswärtige Politik des Zarentums" nicht mehr gegeben. deswegen konnte man nicht mit berufung auf engels eine sozialimperialistische politik rechtfertigen. diese erkenntnis äusserte als erste rosa luxemburg. erst 1942 - nach dem überfall nazideutschlands auf die sowjetunion - vertiefte die broschüre "Marx und Engels über das reaktionäre Preussentum" die erkenntnis der deutschen misere (engels), deren ursprung im fehlen einer erfolgreichen bürgerlichen revolution liegt. leider verfolgte luxemburg diesen gedanken nicht weiter aufgrund ihrer falschen imperialismustheorie. tragischerweise wurde sie 1919 unter zustimmung des spd-reichswehrministers noske von preussischen freikorps ermordet in einer bürgerlichen revolution, die sie für sozialistisch hielt, und die die junker in zusammenarbeit mit der spd abwürgen konnten. an den grundsäulen der in dieser tradition der deutschen misere gegründeten brd verbeisst sich z.z. schröders sozialreform. das tragische schicksal luxemburgs spielt heute die linke als schlechte komödie nach. ihr scheitern ist nicht mal zu betrauern, solange man nicht die historischen besonderheiten der brd erkennt und oft reaktionäres verteidigt als soziale und demokratische errungenschaften. |